Jedes Jahr dasselbe Dilemma: Die Steuererklärung liegt auf dem Tisch, die Frist rückt näher, und du fragst dich, ob du das wirklich alleine durchziehen willst. Ein Steuerberater klingt nach der einfachen Lösung – aber was kostet das eigentlich, und rechnet sich das für dich als Privatperson? Die ehrliche Antwort ist: Es kommt drauf an. Dieser Artikel zeigt dir, für wen sich der Gang zum Profi lohnt und für wen nicht.
- Ein Steuerberater kostet für eine einfache Einkommensteuererklärung zwischen 150 und 400 Euro.
- Bei komplexen Situationen (Vermietung, Nebeneinkünfte, Kapitalerträge) übersteigt die Erstattung die Kosten oft deutlich.
- Als klassischer Angestellter ohne Besonderheiten reicht in den meisten Fällen eine Steuersoftware oder der Lohnsteuerhilfeverein.
- Die Frist zur Abgabe verlängert sich automatisch auf den 28./29. Februar des übernächsten Jahres, wenn du einen Steuerberater beauftragst.
- Steuerberatungskosten selbst sind nicht mehr als Werbungskosten absetzbar (seit 2006).
Was kostet ein Steuerberater für Privatpersonen?
Steuerberater in Deutschland rechnen nach der Steuerberatervergütungsverordnung (StBVV) ab. Das ist eine gesetzlich geregelte Gebührenordnung, die einen Mindest- und Höchstrahmen festlegt. Was du konkret zahlst, hängt vom Gegenstandswert deiner Einkünfte und vom Aufwand ab.
Für eine einfache Einkommensteuererklärung (nur Arbeitslohn, keine Besonderheiten) liegt die Gebühr typischerweise zwischen 150 und 300 Euro. Das klingt viel für einen Standardfall, der vielleicht zwei Stunden Arbeit erfordert.
Bei komplexeren Fällen steigen die Kosten entsprechend:
- Vermietung und Verpachtung (eine Wohnung): 300 bis 600 Euro
- Selbstständigkeit mit einfacher EÜR: 500 bis 1.200 Euro
- Mehrere Einkommensquellen, Kapitalerträge, Auslandskonten: 600 bis 1.500 Euro
- Getrennte Veranlagung mit Komplikationen: individuell
Viele Kanzleien verlangen außerdem eine Grundgebühr für die Beratung selbst, unabhängig von der Erklärung. Diese liegt meistens zwischen 50 und 150 Euro.
Wichtig: Die Gebühren sind Nettopreise. Auf die Abrechnung kommen noch 19 % Umsatzsteuer. Ein Auftrag über 400 Euro netto kostet dich also 476 Euro brutto.

Wann lohnt sich ein Steuerberater?
Die Frage nach dem Nutzen ist einfach zu beantworten: Wenn die Erstattung oder Ersparnis die Kosten übersteigt, lohnt es sich. Und das ist häufiger der Fall als viele denken.
Du vermietest eine oder mehrere Wohnungen
Vermieter sind die klassische Zielgruppe für Steuerberater. Abschreibung (AfA), Renovierungskosten, Zinsen für das Darlehen, Verwaltungskosten, laufende Betriebskosten – all das muss korrekt erfasst und abgesetzt werden. Wer hier Fehler macht oder Möglichkeiten übersieht, lässt bares Geld liegen.
Ein erfahrener Steuerberater kennt Abschreibungsmodelle, die du als Laie wahrscheinlich nicht kennst. Allein bei einer Immobilie im Wert von 300.000 Euro macht der Unterschied zwischen korrekter und fehlerhafter AfA-Berechnung schnell mehrere Hundert Euro pro Jahr aus.
Du hast Nebeneinkünfte
Freelance-Aufträge, Honorartätigkeiten, Einnahmen aus einer GbR, Provisionen – sobald neben dem Gehalt weitere Einkommensquellen dazukommen, wird die Erklärung komplizierter. Das Finanzamt prüft solche Fälle genauer. Ein Steuerberater sorgt dafür, dass alles korrekt deklariert und nichts vergessen wird.
Du hast Kapitalerträge jenseits des Freibetrags
Der Sparerpauschbetrag liegt bei 1.000 Euro pro Jahr (Stand 2024). Wer mehr an Dividenden, Zinsen oder Kursgewinnen erzielt, muss in vielen Fällen eine Anlage KAP abgeben. Bei ausländischen Depots, Thesaurierern oder Aktienoptionen wird es schnell unübersichtlich. Gerade bei größeren Depots oder komplexen Strukturen ist ein Steuerberater sinnvoll.
Du hast ein größeres Lebensereignis hinter dir
Scheidung mit Ausgleichszahlungen, Erbschaft, Immobilienkauf oder -verkauf, Wegzug ins Ausland, Wechsel vom Angestellten zum Selbstständigen – all das hat steuerliche Konsequenzen, die du beim ersten Mal kaum alleine überblickst. Ein Beratungsgespräch kostet wenig im Vergleich zu einem teuren Fehler.
Du bekommst Bescheide mit Nachzahlungen
Wer regelmäßig Steuern nachzahlen muss, hat meistens Optimierungspotenzial. Ein Steuerberater kann prüfen, ob Vorauszahlungen sinnvoll angepasst werden sollten und welche Ausgaben du besser absetzen kannst.
Wann kann man sich den Steuerberater sparen?
Lass es klar gesagt sein: Für viele Angestellte ist ein Steuerberater nicht notwendig. Wenn du ein klassisches Arbeitsverhältnis hast, nur einen Arbeitgeber, keine Vermietung, keine Selbstständigkeit und keine komplizierten Kapitalerträge, dann brauchst du keinen Profi.
Das gilt konkret, wenn
- du nur Arbeitslohn aus einer Festanstellung hast,
- du keine Werbungskosten über 1.230 Euro (Arbeitnehmer-Pauschbetrag) absetzen kannst,
- du keine Kinder hast oder die Kinderfreibeträge bereits korrekt berücksichtigt werden,
- du keine Vermietung, keine Selbstständigkeit und keine Auslandseinkünfte hast.
In diesen Fällen wäre ein Steuerberater schlicht überdimensioniert.
Alternativen zum Steuerberater
Steuersoftware
Programme wie WISO Steuer, Taxfix, Smartsteuer oder SteuerGo kosten zwischen 15 und 40 Euro pro Jahr. Sie führen dich durch die Erklärung, erkennen häufige Abzüge und errechnen deine voraussichtliche Erstattung. Für einfache bis mittlere Fälle sind sie völlig ausreichend.
Taxfix und ähnliche Apps sind besonders für Einsteiger geeignet, weil sie mit einfacher Sprache und einer geführten Benutzeroberfläche arbeiten. WISO Steuer ist hingegen die bessere Wahl, wenn du auch Vermietung oder Gewerbeeinnahmen abbilden musst.
ELSTER (kostenlos)
Das offizielle Portal der Finanzverwaltung ist kostenlos und deckt alle steuerlichen Vorgänge ab. Der Nachteil: Du musst wissen, was du einträgst. Es gibt keine Hinweise auf Optimierungspotenzial, keine Fehlerprüfung im eigentlichen Sinne und keine Beratung. Für Selbstständige mit einfachen Strukturen und steuerlichem Grundwissen ist ELSTER eine sinnvolle Option.
Lohnsteuerhilfeverein
Das ist die günstigste Alternative zu einem echten Steuerberater. Der Jahresbeitrag liegt je nach Einkommen zwischen 70 und 250 Euro. Die Vereine beraten und erstellen die Erklärung für dich – allerdings nur für Arbeitnehmer, Rentner und Pensionäre. Wer Einkünfte aus Vermietung, Kapitalvermögen über dem Pauschbetrag oder Gewinne aus selbstständiger Tätigkeit hat, darf dort nicht beraten werden (§ 4 Nr. 11 StBerG).
Wenn du Angestellter bist und eine professionelle Beratung möchtest, ohne einen Steuerberater zu bezahlen, ist der Lohnsteuerhilfeverein die richtige Adresse.
Fazit
Ein Steuerberater lohnt sich für Privatpersonen dann, wenn die steuerliche Situation über das Standardmodell hinausgeht. Vermieter, Personen mit Nebeneinkünften, größeren Kapitalerträgen oder komplexen Lebensereignissen profitieren klar vom Profi – die Erstattungen und eingesparten Fehler überwiegen die Kosten meist deutlich.
Als klassischer Angestellter ohne Besonderheiten sparst du dir die 150 bis 400 Euro hingegen problemlos. Eine gute Steuersoftware für 30 Euro bringt dich genauso ans Ziel. Wer professionelle Beratung will, aber nicht das volle Preisschild zahlen möchte, findet im Lohnsteuerhilfeverein eine solide Mittelweg-Option.
Die Faustregel ist einfach: Je mehr steuerliche Stellschrauben du hast, desto eher zahlt sich ein Steuerberater für Privatpersonen aus. Bei einem simplen Arbeitnehmerfall rechnet er sich selten.
FAQ
Was kostet eine Steuererklärung beim Steuerberater konkret?
Die Kosten richten sich nach der Steuerberatervergütungsverordnung (StBVV) und dem Gegenstandswert. Für eine einfache Einkommensteuererklärung (nur Arbeitslohn) liegt die Gebühr meistens zwischen 150 und 300 Euro netto, zzgl. 19 % Umsatzsteuer.
Kann ich Steuerberatungskosten von der Steuer absetzen?
Nein. Seit 2006 sind private Steuerberatungskosten nicht mehr als Werbungskosten oder Sonderausgaben absetzbar. Nur der Teil der Beratungskosten, der auf betriebliche oder berufliche Einkünfte entfällt, ist weiterhin abzugsfähig.
Bekomme ich mit einem Steuerberater mehr Erstattung?
Nicht automatisch. Ein guter Steuerberater kennt aber mehr Abzugsmöglichkeiten und macht weniger Fehler als Laien. Bei komplexen Steuersituationen ist die Erstattung deshalb oft höher als bei selbst erstellten Erklärungen.
Bis wann muss ich die Steuererklärung abgeben, wenn ich einen Steuerberater habe?
Wenn du einen Steuerberater beauftragst, verlängert sich die reguläre Abgabefrist (31. Juli des Folgejahres) automatisch bis zum 28./29. Februar des übernächsten Jahres. Bei freiwilligen Erklärungen hast du grundsätzlich vier Jahre Zeit.
Lohnt sich ein Steuerberater für Rentner?
Für Rentner mit ausschließlich gesetzlicher Rente und ohne weitere Einkünfte reicht der Lohnsteuerhilfeverein meistens aus. Wer Mieteinnahmen oder Kapitaleinkünfte hat, sollte einen Steuerberater prüfen – gerade wenn der steuerpflichtige Rentenanteil durch weitere Einkünfte über den Grundfreibetrag steigt.
